Littering-Projekt

Buchtexte zur Ausstellung am Rhein, vom 11. Juni 2021 bis 26. Juni 2021

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Das Gesamtkonzept der Litteringplakate

«Abfall kann wunderschön sein. Aber nur auf Bildern! Niemals an Deinem Lieblingsplatz.»

Dieser Gedanke stand am Anfang der Littering-Ausstellung. Fotografische Stillleben von Abfall, «©WasteArt», auf Plakaten und Banner, am Ort des Geschehens. Ein soziologisches Projekt

Ausgangslage:

Seit einigen Jahren sammle ich in Basel, am Rheinufer des St. Johanns den Abfall auf, weil er mich stört und er eine grosse Verletzungsgefahr für Kinder und Rheinschwimmer ist. Die Auseinandersetzung mit dem Abfall, eröffnete mir Einsichten in unsere Gesellschaft. Den meisten Menschen ist Littering ein Ärgernis, und doch ist Abfall in unserer Stadt omnipräsent. Abfall wurde zu den Emojis, den Icons unserer Lebensweise.

 

Erster Projektentwurf:

Ich räume den Abfall nicht nur weg, ich beschäftige mich auch als Fotograf damit. Ich mache Stillleben von den Menschlichen Hinterlassenschaften. Nicht immer ist noch sichtbar, um welche Gegenstände es sich handelt. Es ist dem Betrachter überlassen, was er sieht. Die Gedanken sind frei. Wie ein Archäologe kann er sich der ursprünglichen Verwendung annähern. Die Idee entstand, diese Bilder, am Ort des Geschehens zu zeigen, um den Menschen, das Thema vor Augen zu halten. Eine Verbindung zwischen der Ikone und unserem gedankenlosen Tun. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit ästhetischen Stillleben. Fasziniert und Dankbar über die Tag tägliche Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtreinigung, möchte ich deren Leistung ebenfalls sichtbar machen. Neben den Fussballern unseres FCBs sind Sie die grossen Stars unserer Stadt, erhalten aber kaum Applaus, das muss sich ändern. Sie pflegen das saubere Image unserer Stadt, wie sonst niemand. Sie halten unsere Stadt lebenswert. Die Ausstellung und dieses Buch ist mein Applaus und mein Dank den Stadtreinigerinnen und Stadtreinigern.

Der Lauf der Dinge:

Die Idee entpuppte sich schnell als grosse Aufgabe, zugleich trat Corona auf die Weltbühne und Littering war plötzlich für niemand mehr Thema und die Restriktionen stoppten die Planungen beinahe. Der Ausstellungstermin blieb. Die Einsicht, dass eine Ausstellung schnell vergessen ist, bewog mich dieses Buch zum Thema zu machen, in dem das Thema von möglichst vielen Seiten, auf möglichst kontroverse Art behandelt werden soll.

 

Littering hat viele Ursachen, die im Wandel unserer Gesellschaft begründet sind. Was sagt das aus über die Menschen, über unsere Gesellschaft? Welche Botschaften lesen wir heute im Abfall, was lesen in 2000 Jahren die Archäologen im Abfall? Welche Schlüsse werden sie ziehen? Meine Ausstellung ist eine Ikonografie der heutigen, westlichen Gesellschaft. Jedes Plakat markiert ein Tatort. Wenn der Besucher eines der Plakate betrachtet, kann, ja muss er die Verbindung zum Tatort machen, das direkt zu seinen Füssen liegt, denn da lag, was er jetzt vor Augen hat, auf Augenhöhe. Ich hebe den Abfall nicht nur auf, um ihn zu entsorgen, ihn zum Verschwinden zu bringen. Mit der Ausstellung hebe ich den Abfall auf Augenhöhe, halte ihn der Gesellschaft vor Augen, mit all seiner zweifelhaften Ästhetik.

Copyright 2021, ©Andrea Giovanni Käppeli | Basel | SUI

Kontakt: Littering@ag-kaeppeli.ch

©WasteArt by AG Käppeli